Der Senior-Sänger

„Nomen est omen“, heißt es so schön. Das stimmt aber freilich nicht immer. So etwa beim MGV Höhenklang Mariahof. Bei diesem Männergesangsverein beeindrucken die Sänger nicht nur mit ihrer Höhe, sondern auch durch ihre stimmliche Tiefe. Dank Robert Ofner sen., der seit nunmehr 70 Jahren dem Fundament des Männerchores in den Tiefen des 2. Basses eine Stütze gibt.

„Dabei könnte es nach ihm manchmal sogar noch eine Oktave tiefer gehen“, erklärt Wilfried Ofner, aktueller Chorleiter des Gesangsvereines und Sohn des Mariahofer „Bassphänomens“.

Für seine große Leidenschaft nahm der Bass schon in der Vergangenheit so manche Strapazen auf sich: „Als junger Bauer, als wir noch nicht so mobil waren, dauerte mein Fußmarsch von unserem Hof auf 1200 Meter Seehöhe jede Woche eineinhalb Stunden zur Probe und danach zwei Stunden nach Hause.“ Seine Passion für die Musik gab der rüstige Steirer auch seinen beiden Söhnen weiter. Nicht überraschend also, dass die Chorszene Mariahofs fest in Ofner-Hand ist: Während Wilfried Ofner dem Gesangsverein als Chorleiter vorsteht, leitet Sohn Werner heute den Kirchenchor. Und auch hier ist der 89-jährige Robert Ofner seit Jahrzehnten eine fixe Größe: Seit seinem 13. Lebensjahr aktiv, kann er somit auf eine 76-jährige Kirchen-chorlaufbahn verweisen.

Auch abseits des Chorgesanges drücken die Ofners der Gemeinde ihren musikalischen Stempel auf. Während Robert sen. vor einigen Jahren nach 65-jähriger Dienstzeit seine Instrumente bei der örtlichen Blasmusik zur Ruhe brachte, gibt Sohn Werner Ofner hier den Ton an und schwingt den Taktstock „Dabei hätte es ihn schon so manchmal gejuckt einen Chor zu leiten“ gesteht Wilfried, der seinen Vater auch heute noch gerne Solis singen lässt. Immerhin hatte „der Senior“ auch ein Händchen für das Führen von Leuten: 15 Jahre lang meisterte er als Obmann die Geschicke des Männerchores. Dass er selbst nicht zum Chorleiter wurde, war einem anderen Umstand geschuldet: Ein Priester, der einen sehr guten Umgang mit der Jugend des Dorfes hatte und viele junge Sänger zum Chorsingen animieren konnte, war schon mit der Chorleitung betraut. „Damals haben wir einen Schub an jungen Sängern bekommen von dem wir heute noch zehren“, beteuert der Jubilar nicht ohne einen Schuss Wehmut. Was dem Vater heute fehlt, sind die Einzelstimmbildungen und Einzelstimmproben. Erst durch sie erhalten die Sänger erst jene Sicherheit, die notwendig ist, um mit wenigen Sängern im Gasthaus oder bei zufälligen Treffen Lieder anstimmen zu können.

Text: Christian Seirer

Robert Ofner
2019-09-10T10:12:55+01:0008.08.2019|Allgemein, Chormusik, Chorverband Steiermark, Geschichten|