Die Gelsn

Ein Gedicht von Sepp Maier.
Aus: Bund Steirischer Heimatdichter, Gedichte und Geschichten, Band 13.

Ban Zwetschknbam, vorm Gortntor,
sitzt auf da Bonk a Liebespoar.
Er is da Knecht vom Maxl drin
und sie a Summafrischlerin.
Am Obnd is’s und trotzdem schwül.
Er holt um sie dan Orm mit Gfühl.
Sie san holt scha betogt, de zwoa,
sie hot scha Foltn, er wenk Hoar,
owa wos mocht’s? Hobm zwoa sih gern,
toan sa sih net Ums Olter schern.
Sie lispelt grod: „Ich liebe dich
von Herzen, richtig inniglich.
Sag deiner Mausi doch, du liebst sie,
dann will ich glücklich sein!“, sou piepst sie.
Er zustert ihr wos Labs grod vor,
do sticht a Gelsn eahm ins Ohr.
„Du Robmviech“, schreit er wütende auf
Und schlogt, vül z’spot, mit d’Finger drauf.
„Was bin ich dir?“, ruaft sie entsetzt
und hot sih weiter dounigsetzt.
„Mei Mausi bist du, des is klor!
Es wor a Gelsn an mein’m Ohr!“
Drauf is sie wieder zuwagruckt
und er hot s’ liebend zuwadruckt.
„Spürst du’s? Mein Herz wogt auf und nieder!“
Sssssumm, do is die Gelsn wieder!
„Du bist mei Schotz, du bist mei … Luader!“
Der Gelsnstich, des wor a guater!
„Ja, aber Hans“, ruaft sie empört,
warum bin ich dir heut‘ nichts wert?
Ach Hans, was hab‘ ich denn verbrochen?“
„Du nix, mih hot a Gelsn gstochn!“
Owa hiatz dauert’s a Weil‘
bis er s‘ beruhigt hot, zum Teil.
Doch kaum sitzn s‘ beinond umschlungan,
hot d‘ Gelsn wieder drübergsungan.
Wia s’ba sein Gsicht hiatz fliagt vorbei,
do schlogt da Hansl hinterdrein.
„Du Mistviech du“, ruaft er ols Text,
owa es is ols wia verhext,
hot mit da Hond die Gelsn gfischt
und hot dafür sei Braut dawischt!
„Du Rohling du, bist du von Sinnen?“,
ruaft sie und laft empört von hinnen.
Dass’s aus wor, de verliabti Nocht,
des hot oa Gelsn z’sommanbrocht!

Eine Holzbank im Grünen