Ein süßes Geheimnis

Kaum jemand kennt ihn, den Pfingststrudel: Er ist ein süßes Germgebäck mit würzigem Liebstöckel-Beigeschmack.

Es ist zwar kein Strudel, im Volksmund wird er trotzdem als solcher bezeichnet. Meist kommt er in Kastenform um das Pfingstfest auf den Tisch. Dieses geschmackvolle Germgebäck ist vielerorts vom Speiseplan der Steirerinnen und Steirer verschwunden. Im weststeirischen Geistthal-Södingberg am Fuße der Gleinalm wird es allerdings noch gebacken. Ida Harrer, vlg. Fritzler, hat das Rezept der besonderen Köstlichkeit von ihrer Mutter übernommen und bäckt diese selbst schon seit über 20 Jahren. „Und er ist fast immer gelungen!“, sagt die Altbäurin mit einem verschmitzten Lachen, während sie duftende Leckereien zum Probieren anbietet.

Doch ist der Pfingststrudel nicht jedermanns Sache, verbinden sich doch ganz eigentümliche Ingredienzien. In einen klassischen Germteig wird nämlich eine herzhafte Masse aus Eischnee mit zermahlenem Liebstöckelkraut und weiteren Zutaten eingerollt und dann gebacken. Daraus resultieren die charakteristische grün-gelbliche Marmorierung im Gebäck und der süßlich-pikante Geschmack. Üblicherweise findet das Liebstöckel, lateinisch Levisticum officinale, auch Luststock oder Maggikraut genannt, als Würze für Suppen seine Verwendung. In diesem speziellen Fall verleiht es allerdings dem Pfingststrudel ein außergewöhnliches Aroma. Und was der Ida besonders wichtig ist: „Ich freu mich, dass auch meine Tochter den Pfingststrudel gerne bäckt!“ Diese Tradition soll ja – zumindest in der Weststeiermark – weitergeführt werden.

AutorInnen: Theresa Maier, Bernd Prettenthaler / Eva Heizmann, Monika Primas (Volkskultur Steiermark GmbH)

2019-09-10T10:16:32+01:0013.03.2019|Allgemein, Brauchtum, Geschichten, Volkskultur Steiermark|