Nach Strich und Faden handgewebt

Einer fast vergessenen Handwerkskunst geht Cilli Möstl aus St. Radegund nach: dem Weben von Wollstoff.

Weben ist nicht nur eine der ältesten Handwerkstechniken der Menschheit, man muss diese Arbeit auch mit sehr viel Fingerspitzengefühl angehen. Dass Cilli Möstl zu dieser besonderen Leidenschaft gefunden hat, liegt in der Familie. Schon als Kind hat sie am Webstuhl ihrer Mutter gesessen, wenn diese die Wolle der hauseigenen Schafe webte, welche die Großmutter zuvor versponnen hatte. Die Liebe zum steirischen Dirndl hat Cilli Möstl schließlich dazu veranlasst, selbst mit dem Weben zu beginnen. Seither fertigt sie individuelle Dirndlstoffe in vielfältigen Farbentönen und unterschiedlichsten Musterungen an. Die Gemeinsamkeit aller Stoffe liegt im sogenannten „Rosengang“, einem für das steirische Dirndl überlieferten Mustersystem, das sich in einem breiten Interpretationspielraum widerspiegelt. Eine Mustervorlage braucht Cilli Möstl nicht. Wenn sich die Handwerkerin an den Webstuhl setzt, dann formen sich ihre Muster ganz intuitiv. Und in steter kreuzweiser Verbindung aus Längs- und Querfäden bzw. Kett- und Schussfäden entsteht schließlich das kunstvolle Gewebe. Cilli Möstl verwendet dabei 100 Prozent reine Schurwolle, die zuvor zu Kammgarn versponnen wird und besonders fein ist. Um den Stoff für Kittel und Leib eines steirischen Dirndls zu fertigen, benötigt sie durchschnittlich 20 bis 25 Stunden. Ist der Stoff am Webstuhl fertiggewebt, heißt es, ihn abzuschließen und zu versäubern. Und schon kann die Kunsthandwerkerin mit einem neue Werkstück beginnen.

AutorInnen: Theresa Maier, Bernd Prettenthaler / Eva Heizmann, Monika Primas (Volkskultur Steiermark GmbH)